Altbausanierung mit System:

VPB plädiert für laufende Instandhaltung der eigenen Immobilie

BERLIN. Neubauten sind teuer, deshalb schauen sich viele junge Bauherrenfamilien zurzeit im Bestand um. „Aktuell fließen enorme Summen in den Kauf von Altbauten“, beobachtet Dipl.-Ing. Reimund Stewen, Sachverständiger und Vorstandsmitglied des Verbands Privater Bauherren (VPB). Im Bereich Köln, in dem der Experte private Bauherren und Kaufinteressenten betreut, beobachtet er immer wieder Käufer, die sich bis ans Limit verschulden, um eine gebrauchte Immobilie zu erwerben. „Dabei lassen die Käufer den Zustand des Hauses oft völlig außer Acht. Sie bauen allein auf den zukünftigen Wertzuwachs.“

„All das sind aber nur Puzzlesteine“, gibt Reimund Stewen zu bedenken. „Erst, wenn die Immobilie systematisch begutachtet wird, lassen sich sinnvolle Instandhaltungsarbeiten und bauphysikalisch aufeinander abgestimmte Sanierungsmaßnahmen für die Zukunft definieren, die dann Schritt für Schritt umgesetzt werden.“ Nach Erfahrung des Bausachverständigen zäumen die meisten Hauseigentümer das Pferd hier von hinten auf. Sie vernachlässigen die regelmäßige Pflege und beginnen dann irgendwo mit der größeren Sanierung, manche bei der Fassade, andere bei der Heizung, wieder andere bei Fenstern oder Dach. Sie suchen Handwerker und lassen sich Angebote machen. „Weil sie dabei den Handwerkern auch die Lösungsvorschläge überlassen, kommen viele unterschiedliche Angebote heraus, die sich inhaltlich und finanziell nicht miteinander vergleichen lassen und von denen viele dem Gebäude eher schaden als nutzen“, beobachtet Bausachverständiger Stewen.

Hinzu kommt: „Jede Maßnahme am Altbau zieht bauphysikalische Konsequenzen nach sich. Wir können nicht einfach ein Wärmedämmverbundsystem auf die Fassade kleben, ohne vorher genau zu berechnen, wie es aufgebaut sein muss. Wird das nicht oder falsch berechnet, besteht die große Gefahr, dass die Hauseigentümer sich Feuchte- und in der Folge Schimmelschäden ins Haus holen“, erläutert der Experte.

Wie sollen Hauseigentümer ihre Instandhaltung also angehen? Apps oder allgemeine Checklisten hält Fachmann Stewen für nur bedingt geeignet. „Sie erleichtern zwar den Einstieg ins Thema, aber jedes Haus ist ein Einzelstück, das aus unterschiedlichen Bauteilen und Materialien individuell zusammengefügt und wahrscheinlich außerdem im Laufe der Zeit mehrfach verändert wurde. „Wer seine Sanierung und Instandhaltung mit System angehen will, braucht sachverständige Unterstützung. Nur so kann er seinen ganz persönlichen Sanierungs- und Instandhaltungsplan entwickeln, Schäden vermeiden und den Wert der Immobilie erhalten. Halten sich die Hausbesitzer später an die mit dem Experten entwickelten Arbeitsschritte, ist ihre Immobilie stets in Ordnung und technisch auf der Höhe der Zeit. Beim Wiederverkauf macht sich das positiv bemerkbar.

Experteninterview mit Dipl.-Ing. Reimund Stewen