Elektrisch unterwegs!

Pflegedienst - elektrisch unterwegs!Foto © Mechthild Ester

Lüneburger Pflegedienst setzt auf Elektroautos – Haus+Hof im Gespräch mit Geschäftsführer Kai Warneke

Bernhard Eggers: Herr Warneke, Sie haben vor einiger Zeit für Ihr Unternehmen, den Pflegedienst PMK, einige Elektroautos der Marke Renault ZOE angeschafft. Wie viele sind es jetzt in Ihrem Fuhrpark?

Kai Warneke: Wir haben drei Renault ZOE. Da wir Photovoltaikanlagen auf dem Dach haben, fungieren die Wagen sozusagen als „fahrende Speicher“. Der Vorteil für uns ist, dass wir unseren Strom, den wir „zu viel produzieren“, so direkt einspeisen und nutzen können. So macht das Tanken doppelt Spaß, da wir eben nichts dafür bezahlen müssen, außer der Investition in die Photovoltaikanlage.

Die Mitarbeiter müssen nicht mehr zum Tanken irgendwohin fahren, das passiert hier gleich auf dem Hof und spart Arbeitszeit.

Auch die Wartungskosten sind wesentlich geringer (der erste hat schon 60.000 Kilometer runter ohne Reparaturen) und die Wartungsintervalle sind länger (30.000 Kilometer, statt wie üblich 15.000 Kilometer). Auch der Komfort ist enorm. Die Mitarbeiterakzeptanz sowie die Fahrfreude der Mitarbeiter ist sehr groß – das ist einfach ein gutes Gefühl. Die anfängliche Skepsis der Mitarbeiter gegen Elektroautos ist einer Begeisterung gewichen, absolut.

Bernhard Eggers: Warum ist die Fahrfreude größer?

Kai Warneke: Also zum einen fährt es sich leichter. Die Mitarbeiter brauchen nicht mehr zu schalten, obwohl es ja kein Automatik-Getriebe ist. Das läuft beim Elektrowagen anders. Da gibt es ja nur „an“ und „aus“. Sie drücken aufs Pedal und es geht los … dann fährt man sehr schnell an, weil die Autos ein sehr hohes Drehmoment haben.

Außerdem sind die Autos sehr leise, da ruckelt nichts, da schaltet nichts.

Bernhard Eggers: Die Reichweite beträgt 230 Kilometer bei den neuen Fahrzeugen. Ist das für einen Pflegedienst ausreichend?

Kai Warneke: Voraussetzung, um die Reichweiten zu erreichen, die von den Herstellern angegeben werden, ist eine entsprechende Fahrweise. Bei unseren Modellen mit bis zu 200 Kilometern Reichweite kommt man in der Praxis sage ich mal 140 Kilometer weit – zu normalen Temperaturen muss man dazu sagen.

Für uns als Pflegedienst ist es vollkommen ausreichend, wenn die Fahrzeuge einmal am Tag geladen werden. Wir machen das in der Mittagspause. So reicht die Akkuladung für zwei große Touren. Wir müssen dann nicht nachladen, sondern können wirklich unseren Strom, den wir durch die Sonne produzieren, verbrauchen und die zwei Tagestouren damit fahren.

Bernhard Eggers: Die Erfahrung zeigt schon, dass man ein bisschen vorsichtiger fahren muss. Aber eine vorausschauende Fahrweise lohnt sich ja auch gerade bei einem E-Motor.

Kai Warneke: Das ist etwas, dass die Mitarbeiter lernen mussten und wir natürlich auch. Ich kenne jemanden, der hat auch den ZOE mit laut Herstellerangaben 200 Kilometern Reichweite. Der schafft es wirklich und fährt damit 190 Kilometer weit, allein durch seine Fahrweise. Der Trick ist: Man muss die Bremswirkung nutzen. Man muss bremsen, damit die Rekuperation, dieser Wiedergewinn der Energie, sich einstellt. Das wusste ich vorher auch nicht.

Es gibt auch ein erzieherisches Moment: Weil die Mitarbeiter sehen, was sie an Energie zurückgewinnen, fahren sie jetzt anders. Es ist ein gutes Gefühl, den eigenen Strom zu produzieren – CO-frei und ökologisch – und damit auch die Fahrzeuge, also die Mobilität, CO-frei zu gestalten.

Bernhard Eggers: Rechnet sich das denn auch insgesamt, da die Autos ja ein bisschen teurer in der Anschaffung sind?

Kai Warneke: Die Autos sind etwas teurer. Aber für uns spielt Energie eine große Rolle als Pflegedienst. Neben den Personal- und Fahrzeugkosten sind die Energiekosten ein hoher Faktor in unserer Kalkulation. Wir hatten vorher schon auf Autogas umgestellt. Verglichen mit den herkömmlichen Gasautos, die wir fuhren, kann man ungefähr 50 bis 60 Prozent auf den Kaufpreis drauf rechnen.

Aber dadurch, dass wir unsere PV-Anlage haben und den Strom zu einem großen Teil selbst produzieren, und wenn man die geringen Wartungskosten sowie weiche Faktoren, wie gesparte Arbeitszeit hinzurechnet, denke ich, dass es günstiger ist. Vorallem wenn man so ein Auto über 10 Jahre betrachtet. Der Motor ist ja eigentlich unbegrenzt fahrbar. Ein Explosionsmotor hat vielmehr Verschleiß. Ganz abgesehen davon, dass wir keine Kraftstoffpumpe und ähnliches wechseln müssen. Das sind alles Dinge, die spielen beim Elektroauto keine Rolle. Da gibt´s nur… anschalten und los!

Bernhard Eggers: Herr Warneke, vielen Dank für das Gespräch.

Vita PMK-Pflegedienst

Der PMK-Pflegedienst, gegründet durch Frank Perschke und Michael Meester-Krüger, ist mit Einführung der Pflegeversicherung seit Februar 1995 in Stadt und Landkreis Lüneburg zur Versorgung Alters-, Pflege- und Hilfsbedürftiger Menschen unterwegs.

Seit 1997, mit Ablösung Herrn Meester-Krügers, kümmert sich nun auch Herr Kai Warneke um eine umfängliche und professionelle Pflege zu Hause. Der PMK-Pflegedienst kümmert sich insbesondere um häusliche Behandlungspflege, Wundmanagement, Beratung rund um die Pflege und die Krankenversicherung, gibt Hilfestellung beim Einrichten alten- und behindertengerechter Wohnungen und der Vermittlung und Betreuung von Notrufanlagen. Zudem stehen die meist selbst ausgebildeten examinierten Pflegekräfte rund um die Uhr bei Pflegenotfällen in Bereitschaft.

Seit Oktober 2008 gibt es außerdem das TMK, eine Tages-Betreuung für pflegebedürftige Menschen. Diese wurde eingerichtet, um ein geselliges Miteinander zu fördern und um pflegende Angehörige zu entlasten.