Das Konzept für Photovoltaik Solarenergieanlagen in Verbindung mit einer landwirtschaftlichen Nutzung ist nicht neu, es brauchte dennoch einige Jahre bis zur Umsetzung. Nun ist es endlich so weit und die Wissenschaftler des Fraunhofer ISE können nun gemeinsam mit Partnern des neuen Projekts „APV-Resola“ die Früchte der damaligen Gedanken zu Photovoltaik in Verbindung einer Nahrungsmittelproduktion einholen. Das Projekt wurde am 18. September 2016 in einem Pilotprojekt in Heggelbach am Bodensee eingeweiht. Mit diesem Projekt entstand am Bodensee die größte APV-Forschungsanlage in Deutschland, welche Strom und Nahrungsmittelproduktion vereint.

Die Zukunft in der Nutzung Nahrungsmittelproduktion/ Photovoltaik

Mit rasanter Geschwindigkeit entstehen Photovoltaik (PV) Kraftwerke in Deutschland auf bestehenden Freiflächen. Immer mehr rückte in den letzten Jahren die Konkurrenz der Landnutzung zwischen der Produktion von Nahrungsmitteln und erneuerbaren Energien in den Fokus. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Systeme der Solarenergie ISE in Freiburg, nutzten eine schlummernde Idee ihres Institutsgründers, in Zusammenarbeit mit der BayWa r. e., den Elektrizitätswerken Schönau (ESW), sowie der Hofgemeinschaft Heggelbach, der Universität Hohenheim, dem Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), des Instituts für Technologie und dem Regionalverband Bodensee-Oberschwaben, unter Mitwirkung der lokalen Bevölkerung, nun für eine Pilotanlage. Das Zauberwort nennt sich: „Agrophotovoltalk“ und bedeutet so viel wie eine ressourceneffiziente Doppelnutzung landwirtschaftlicher Agrarflächen. Diese Nutzung dient der Produktion von landwirtschaftlichen Gütern unterhalb von PV-Freiflächenanlagen. In Anbetracht des weltweiten und dynamischen Wachstums der Photovoltaik-Systeme in den letzten Jahren und dem damit verbundenen permanent steigenden Flächenbedarf für PV-Anlagen, erlauben neue Wege und Konzepte wie die Agrophotovoltalk die Doppelnutzung von Agrarflächen und sorgen so für einen raschen Umbau des globalen Energiesystems.

Das Photovoltaik-Projekt am Bodensee

Vor rund vier Jahren startete die APV-Projektgruppe in der Region Bodensee das Modell Photovoltaik / Nahrungsmittelproduktion nach eingehender Prüfung und Untersuchungen, Simulationen und Modellierungen das einzigartige Projekt, in dessen Rahmen nun die APV-Pilotanlage auf Agrarflächen der Demeter-Hofgemeinschaft Heggelbach errichtet und in Betrieb genommen wurde. Hierfür wird eine Testfläche von 2,5 Hektar eingesetzt, wovon die APV-Anlage ein Drittel Hektar beansprucht. Gleichzeitig angebaut wird unter den montierten fünf Meter hohen PV-Modulen vier Kulturen: Kleegras – Weizen – Sellerie und Kartoffeln. Auf dem noch zur weiteren Verfügung stehenden Acker wurde von dem Projektteam in gleicher Größe eine Referenzfläche angelegt, mit gleicher Bepflanzung und in gleicher Größe, lediglich die PV-Module wurden weggelassen. In einem direkten Vergleich werden die Wissenschaftler davon ableiten, welche Feldfrüchte oder Gemüsearten besonders für die AP-Anlage geeignet sind, um so eine möglichst gewinnbringende Nutzung im Doppelsystem der Agrarfläche zu ermöglichen.

Wie kann sich so eine Photovoltaik-Anlage relativieren?

Die dort installierte Leistung der AP-Anlage von 194 kWp deckt den Strombedarf von ca. 62 Haushalten. Von den Elektrizitätswerken Schönau wird dann der überschüssige Strom abgenommen. Bestückt ist die AP-Anlage mit bifazialen PV-Modulen der Firma „Solar World“ aus Deutschland. Der Vorteil dieser Firma ist die Umwandlung der vorderseitigen Sonneneinstrahlung in Strom, als auch auf der Rückseite die reflektierende Strahlung der Umgebung aufzunehmen. Dieses System erhöht den Energieertrag pro Fläche und sorgt somit durch die beidseitige Zellverglasung für eine bessere Lichtverteilung über der bepflanzten Fläche. Der landwirtschaftliche Sektor steht unter anderem vor der Aufgabe, den starken Ausbau der erneuerbaren Energien zu bewältigen und dazu gleichzeitig auch noch den Wandel der Kulturlandschaften bis hin zu den Energielandschaften. Die Agrophotovoltalk kann unter dieser Prämisse ein absolut gelungener Lösungsansatz für die Zukunft sein.

Wer trägt die Kosten des Pilotprojekts?

Die Forschungsgelder wurden von der Bundesregierung bereitgestellt und sind entsprechend auch gut angelegt. Es ist zudem aber auch sehr wichtig, dass die Agro-PV endlich in die Förderung des EEG aufgenommen wird, damit sich dadurch auch eine wirtschaftliche Dynamik entwickeln kann. Leider lehnt bis heute der Deutsche Bauernverband die PV-Freiflächen aus nicht nachvollziehbaren Gründen weitgehend ab. Die Begründung: „Weil angeblich damit wertvolles Acker-Nutzland der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen wird“. Der Biobauer Schmid aus Heggelsdorf brachte jedoch zum Ausdruck, dass diese Betrachtungsweise absolut Unfug ist. Die Klimaerwärmung führt immer stärker zu einer immer größeren Austrocknung ehemals großer fruchtbarer landwirtschaftlicher Flächen. Agro-PV kann diesem Problem wirksam zu Leibe rücken. Genau aus diesem Grund muss die Bundesrepublik dafür sorgen, dass der Agro PV der Ausschluss aus derEEG-Förderung beendet wird. Ansonsten wird auch diese weltweite anbahnende technologische Entwicklung ohne unternehmerische Aktivitäten in Deutschland laufen.

Eine Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.